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Kanzlei-Bewertungen bei Google: wer sie schreibt — Mandanten, Gegenseite und Fälschungen
Kurz gesagt
Bewertungen über eine Kanzlei stammen nicht nur von Mandanten. Weil jedes Mandat eine Gegenseite hat, schreiben auch Menschen ins Profil, die nie Mandanten waren: der unterlegene Prozessgegner, der Empfänger einer Abmahnung, der angeschriebene Schuldner. Diese Seite zeigt, warum Mandanten bewerten, was die Gegenseite hinterlässt und woran Sie unechte Stimmen erkennen. Sie ordnet allgemein ein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Wer schreibt Bewertungen über eine Kanzlei oder einen Steuerberater?
Bewertungen über Kanzleien und Steuerberater kommen aus drei Richtungen. Erstens von Mandanten, deren Sache abgeschlossen ist. Zweitens von Menschen, die nur angerufen oder ein Erstgespräch geführt haben. Drittens von der Gegenseite eines Mandats, die nie Mandantin war.
Die Branche besteht überwiegend aus kleinen Einheiten. Das Statistische Bundesamt zählt rund 127.600 rechtliche Einheiten in der Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsprüfungsberatung mit zusammen 750.900 tätigen Personen. Im Schnitt sind das sechs Personen je Einheit. Wo ein Profil zwölf Bewertungen trägt, verschiebt eine einzelne Stimme den Schnitt sichtbar.
Immer mehr Menschen schauen vor der Wahl eines Betriebs auf Online-Bewertungen. Mandanten haben dabei die Wahl zwischen mehr als 50.000 Steuerberatungskanzleien, wie Stiftung Warentest schreibt. Das Bewertungsprofil entscheidet also mit, wer überhaupt zum Hörer greift. Wie das für Kanzleien konkret aussieht, zeigt auch die Seite zu Bewertungen der Gegenseite in Kanzleien.
Warum Mandanten ihre Kanzlei überhaupt bewerten
Mandanten schreiben meist dann, wenn das Ergebnis feststeht. Häufige Anlässe sind Erleichterung nach einem langen Verfahren, Dank für eine schnelle Auskunft oder Ärger über Kosten, Wartezeit und ausbleibende Rückrufe. Bewertet wird selten das juristische Ergebnis allein. Bewertet wird auch, wie verständlich erklärt und wie verlässlich zurückgerufen wurde.
Stiftung Warentest rät, sich bei der Anwaltssuche nicht allein auf Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis zu verlassen. Der Bekannte hatte oft ein ganz anderes rechtliches Problem. Deshalb empfiehlt Stiftung Warentest zusätzliche Recherche im Internet. Orientierung geben außerdem Fachanwaltstitel und geprüftes Qualitätsmanagement.
Für Suchende ist das Bewertungsprofil oft die einzige Stelle mit Stimmen anderer Mandanten vor dem Erstgespräch. Ein Profil mit wenigen, sehr alten Einträgen beantwortet diese Frage nicht. Eines mit regelmäßigen, konkreten Rückmeldungen schon.
Was die Gegenseite eines Mandats im Bewertungsprofil hinterlässt
Jedes Mandat hat eine Gegenseite, und diese Gegenseite kann ein Google-Konto haben. Der unterlegene Prozessgegner, der Empfänger eines Abmahnschreibens, der angeschriebene Schuldner: Keine dieser Personen war Mandantin der Kanzlei. Geschrieben wird trotzdem. Bewertet wird dann das Ergebnis, das gegen die Person ausgefallen ist.
In Steuerberatungen sieht es ähnlich aus. Dort trifft die Kritik manchmal den Bescheid, die Nachzahlung oder die Betriebsprüfung — also etwas, das die Kanzlei gar nicht zu verantworten hat. Vergleichbare Fälle beschreibt der Ratgeber zu Bewertungen von Menschen, die nie Kunde waren.
Als echt gilt eine Bewertung nach anderem Maßstab. Beim EU-weiten Website-Screening 2021 prüften Behörden aus 26 Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen 223 Websites. Entscheidend war, ob Bewertungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern stammen, die das Produkt oder die Dienstleistung tatsächlich genutzt haben. Bei 144 der geprüften Websites ließ sich das nicht bestätigen.
Eine Bewertung von jemandem, der nie Mandant war, ist keine Erfahrung mit Ihrer Arbeit. Trufy prüft Ihr Bewertungsprofil kostenlos und kümmert sich nur um Bewertungen, die gegen Googles Richtlinien verstoßen. Abgerechnet wird ausschließlich bei Erfolg: 10 € je tatsächlich entfernter Bewertung. Ob eine Bewertung entfernt wird, entscheidet Google.
Mandantenbewertung oder Bewertung der Gegenseite: woran Kanzleien den Unterschied sehen
Ob eine Google-Bewertung von einem Mandanten stammt oder von der Gegenseite eines Mandats, zeigt sich an fünf Merkmalen. Einzeln ist keines davon sicher, zusammen ergeben sie ein klares Bild.
| Kriterium | Bewertung eines Mandanten | Bewertung der Gegenseite |
|---|---|---|
| Worum es im Text geht | Beratung, Erreichbarkeit, Termintreue, Verständlichkeit, Abrechnung | Ausgang des Verfahrens oder das Schreiben, das die Person erhalten hat |
| Rolle im Text | Spricht als Auftraggeber: mein Anwalt, meine Steuerberaterin | Spricht über die andere Partei: dieser Anwalt vertrat den Gegner |
| Zeitpunkt | Meist nach Abschluss des Mandats oder nach der Rechnung | Oft kurz nach Zustellung eines Briefes oder nach einem Gerichtstermin |
| Tonfall | Auch Kritik bleibt beim Ablauf, etwa Wartezeit oder fehlende Rückrufe | Richtet sich gegen die Person, nicht gegen eine selbst bezahlte Leistung |
| Zuordnung im Betrieb | Lässt sich einem Erstgespräch, einer Akte oder einer Rechnung zuordnen | Kein Mandat, kein Termin, keine Rechnung in den eigenen Unterlagen |
Lesen Sie den Text zuerst mit einer einzigen Frage: Beschreibt er überhaupt eine Leistung, die jemand bei Ihnen beauftragt hat? Fällt die Antwort klar negativ aus, handelt es sich nicht um eine Mandantenstimme. Diese Einordnung ändert nichts am Ärger, aber sie ändert, wie Sie darauf reagieren.
Warum eine Kanzlei einer falschen Bewertung nicht öffentlich widersprechen kann
Eine Kanzlei kann öffentlich nicht widersprechen, selbst wenn die Darstellung falsch ist. Wer sich erklären will, müsste über das Mandat sprechen. Genau das ist Berufsgeheimnisträgern verwehrt. Ein Restaurant kann schreiben, dass dieser Tisch nie reserviert war — eine Kanzlei kann das nicht.
Die Bundesärztekammer hat diese Mechanik für Ärztinnen und Ärzte ausformuliert. Vertraulich zu behandeln ist danach alles, was in dieser Eigenschaft bekannt wurde — gleich ob der Austausch öffentlich, in einer Gruppe oder in sozialen Medien stattfindet. Auch das Weglassen des Namens genügt oft nicht, weil sich Personen über die Fallumstände erkennen lassen. Kanzleien und Steuerberatungen stehen vor derselben Lage.
Antworten bleibt möglich, nur eben ohne Inhalte aus dem Mandat. Danken Sie für Rückmeldungen und reagieren Sie auf Kritik sachlich und zügig. Bei harschem Feedback rät die IHK, lieber ein paar Minuten länger über die Formulierung nachzudenken. Bestätigen Sie in der Antwort nicht, ob die Person überhaupt Mandantin war — Formulierungen dazu finden Sie im Ratgeber Auf Google-Bewertungen antworten.
Woran Sie gefälschte Bewertungen im Profil einer Kanzlei erkennen
Gefälschte Bewertungen fallen durch Muster auf, nicht durch eine einzelne Formulierung. Die Verbraucherzentrale nennt Merkmale, die sich auch im Profil einer Kanzlei oder Steuerberatung prüfen lassen:
- viele positive Bewertungen in sehr kurzer Zeit
- wiederkehrende Formulierungen und gleiche Textbausteine
- glatte, fehlerfreie Sprache ohne persönliche Details
- übertriebenes Lob, das eher nach Werbung klingt als nach Erfahrung
- sehr allgemeine Texte ohne konkreten Ablauf und ohne jeden Kritikpunkt
- Profile, die ausschließlich fünf Sterne vergeben
- Texte aus KI-Werkzeugen: auffällig ausgewogen oder in sich widersprüchlich
Selbst nachhelfen scheidet aus. Wer Gutscheine, Rabatte oder Gewinnspiele für Bewertungen auslobt, erhält keine frei und unabhängig zustande gekommenen Stimmen. Die Wettbewerbszentrale registrierte von 2022 bis März 2023 insgesamt 72 Fälle von Werbung mit solchen Bewertungen und schritt in 19 Fällen per Abmahnung wegen Irreführung ein. Mehr dazu im Themenbereich unfaire und auffällige Bewertungen.
Was Kanzleien und Steuerberater selbst für ihr Bewertungsprofil tun können
Echte Mandantenstimmen sind das Einzige, was eine Kanzlei selbst aufbauen kann. Fragen Sie am Ende eines Mandats, wenn die Sache abgeschlossen und die Rechnung besprochen ist. Fragen Sie dabei alle Mandanten, nicht nur die offensichtlich zufriedenen. Eine Vorauswahl verzerrt das Profil und ist nicht erlaubt.
Am Empfang funktioniert eine NFC-Bewertungskarte im Scheckkartenformat. Sie wird vor dem Versand auf Ihr Google-Profil programmiert. Der Mandant hält sein Handy an die Karte und landet direkt auf der Bewertungsseite Ihrer Kanzlei. Welche Bewertung er schreibt, entscheidet er selbst.
Die Karten gibt es in festen Paketen. Für eine Kanzlei mit Empfang und mehreren Besprechungsräumen reicht meist das 20er-Paket zu 4,99 € je Karte netto, zusammen 99,80 €. Ab dem 10er-Paket ist der Versand kostenfrei. Gegebenenfalls anfallende Umsatzsteuer, Einfuhrumsatzsteuer oder Zölle trägt der Käufer.
Wie Sie den richtigen Moment im Kanzleialltag treffen, beschreibt der Ratgeber Google-Bewertungen als Steuerberater sammeln. Stehen in Ihrem Profil dagegen Bewertungen von Menschen, die nie Mandanten waren, können Sie es kostenlos prüfen lassen.
- Statistisches Bundesamt: Branchenbericht Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung
- Stiftung Warentest: Anwaltssuche – wie Sie einen guten Anwalt finden
- Stiftung Warentest: Steuerberater – ab wann und für wen er sich lohnt
- Europäische Kommission: Protecting consumers from misleading reviews (Website-Screening 2021)
- Verbraucherzentrale: Kann man Online-Bewertungen trauen? So erkennen Sie Fake-Reviews
- Wettbewerbszentrale: „Gekaufte“ Kundenbewertungen
- Bundesärztekammer: Handreichung Ärztinnen und Ärzte in sozialen Medien
- IHK Reutlingen: 5 Tipps zum Umgang mit Kundenfeedback
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